Unter unserem Logo stehen drei Wörter: menschen, hardware, knowhow. Zwei davon — Menschen und Knowhow — handeln gar nicht von Geräten, sondern von Personen: von dem, was sie können, lernen und werden. Das ist kein Zufall. Ein gebrauchter Laptop, den andere längst abgeschrieben haben, funktioniert nach der Reparatur wieder — und landet über unseren Marktplatz bei jemandem, der ihn braucht. Das ist die sichtbare Hälfte unserer Mission. Die andere Hälfte handelt von Menschen, die aus dem Arbeitsleben herausgefallen sind oder nie richtig hineingekommen sind, und die bei uns einen Ort finden, an dem ihr Beitrag zählt.
Die sichtbare Hälfte: geprüfte, refurbishte Geräte auf dem Marktplatz — jedes mit transparenter CO₂-Ersparnis. Jedes dieser Inserate hat ein Mensch aufbereitet, fotografiert und beschrieben.
Das ist kein Nebenprodukt. Wer bei Revamp-IT Geräte prüft, repariert, erfasst und weitergibt, tut echte Arbeit mit echtem Wert. Genau deshalb eignet sich dieser Ort so gut für den Wiedereinstieg: Es gibt hier keine Beschäftigungstherapie, sondern eine Werkstatt, einen Marktplatz, Workshops und IT-Hilfe — eine Organisation, die auf die geleistete Arbeit angewiesen ist. Unser Wiedereinstiegsprogramm baut genau darauf auf: strukturierte Arbeitserfahrung, individuelle Begleitung, ein Tempo, das zur Person passt.
Warum der Wiedereinstieg schwer ist — und was die Forschung dazu sagt
Der Arbeitsmarkt filtert hart. Eine Lücke im Lebenslauf, eine längere Krankheit, eine Erschöpfung, ein Bruch in der Biografie — und plötzlich kommt man an der ersten Hürde nicht mehr vorbei. Das Problem ist selten fehlendes Können. Es ist der fehlende Nachweis, dass man verlässlich beiträgt, und oft genug der verlorene Glaube daran, es überhaupt noch zu können.
Dass Arbeitslosigkeit nicht nur ein finanzielles, sondern ein psychisches Problem ist, ist gut belegt. Die grosse Metaanalyse von Karsten Paul und Klaus Moser wertete 237 Quer- und 87 Längsschnittstudien aus und fand einen klaren Zusammenhang: Unter Arbeitslosen zeigten im Schnitt 34 % psychische Beschwerden, unter Erwerbstätigen nur 16 %. Entscheidend ist, dass die Längsschnittdaten die Richtung klären — es ist nicht bloss so, dass psychisch belastete Menschen häufiger die Arbeit verlieren; der Verlust der Arbeit selbst verschlechtert die psychische Gesundheit, und die Rückkehr in Arbeit verbessert sie wieder (Paul & Moser, Unemployment impairs mental health: Meta-analyses, Journal of Vocational Behavior, 2009). Wiedereinstieg ist damit nicht nur ökonomisch sinnvoll, er ist im Wortsinn heilsam.
Warum das so ist, hat die Sozialpsychologin Marie Jahoda schon 1982 beschrieben. Arbeit zahlt neben dem Lohn fünf «latente» Leistungen aus, die wir kaum bemerken, solange wir sie haben: eine Zeitstruktur für den Tag, soziale Kontakte ausserhalb der Familie, ein gemeinsames Ziel über die eigene Person hinaus, Status und Identität, und schlicht regelmässige Aktivität. Fällt die Arbeit weg, fallen alle fünf weg — und genau die fehlen den Menschen, die zu uns kommen, oft mehr als das Geld.
Dass das nicht bloss eine alte Theorie ist, bestätigen neuere Daten aus dem deutschsprachigen Raum. Eine Auswertung des deutschen Panels «Arbeitsmarkt und soziale Sicherung» mit über 9'300 Befragten fand, dass Erwerbslose in allen fünf latenten Funktionen schlechter abschneiden als Erwerbstätige — und zwar selbst im Vergleich zu Menschen in kleinen Teilzeitjobs, bei denen der Lohn kaum ins Gewicht fällt (Bähr & Collischon, Erwerbsarbeit erfüllt wichtige psychologische Funktionen, IAB-Forum, 2022). Es ist also tatsächlich die Arbeit selbst, nicht nur das Einkommen, die fehlt.
Was Menschen in dieser Lage brauchen, folgt direkt daraus: eine Struktur, die trägt, ohne zu überfordern. Aufgaben, die man wirklich erledigt und bei denen man das Ergebnis sieht. Ein Team, das einen als Kollegin oder Kollegen behandelt und nicht als Fall. Und — leise, aber entscheidend — Belege. Etwas, das zeigt: Das habe ich gemacht. Das kann ich. Das habe ich gelernt.
Genau an diesem Punkt wird aus einer Werkstatt-Frage eine Portal-Frage. Denn ein grosser Teil dessen, was den Wiedereinstieg trägt, ist Sichtbarkeit von Beitrag und Entwicklung — und Sichtbarkeit ist etwas, das Software gut kann.
Was das Portal heute schon leisten kann
Die Zusammenarbeits-Seite des Portals ist nicht als Sozialwerkzeug entworfen worden. Aber gerade weil sie normale, ehrliche Team-Arbeit abbildet, wirkt sie für den Wiedereinstieg. Vier Bausteine sind heute produktiv:
Persönliche Profile. Jede mitarbeitende Person hat ein Profil mit Fähigkeiten, Interessen, Zielen, Stärken und Entwicklungsbereichen — nicht als starre Personalakte, sondern als wachsende Beschreibung dessen, was jemand kann und wohin er oder sie will. Ein Profil bündelt heute schon alles, was eine Person beigetragen hat: ihre Inserate auf dem Marktplatz, die Dienstleistungen und IT-Hilfe, die sie anbietet, Workshops, die sie gibt, und Beiträge, die sie geschrieben hat.
Ein öffentliches Profil bündelt alles, was eine Person beigetragen hat — hier sechs Inserate und elf Beiträge, jeweils mit sichtbarer Wirkung. Aus einzelnen Handgriffen wird eine belegbare Spur.
Fähigkeiten sind Schlagworte, die sich mit der Zeit ergänzen. Ziele, Stärken und Entwicklungsbereiche stehen in einer eigenen «Entwicklung»-Ansicht, die jede Person für sich selbst pflegt. Dazu kommt ein «aktueller Fokus»: ein Satz dazu, woran man gerade arbeitet, der auf dem «Wer macht was»-Board für das Team sichtbar wird. Wer neu anfängt, hat vielleicht drei Einträge; nach einem halben Jahr sind es zwölf. Diese Kurve ist für die Person oft das erste greifbare Zeichen, dass es vorangeht.
Team-Profile. Teams sind im Portal eigenständige Einheiten mit eigenen Zielen und Kennzahlen. Ein Team hat eine Liste von Zielen mit Status und eine Handvoll Metriken, an denen es seinen Fortschritt misst. Für jemanden, der lange ausserhalb stand, ist die Zugehörigkeit zu so einer sichtbaren Einheit mehr als Organisation — es ist ein «Ich gehöre dazu». Man ist nicht bei Revamp-IT, man ist im Werkstatt-Team, und das Team hat ein Ziel, zu dem man beiträgt. Das ist genau die dritte von Jahodas latenten Leistungen — das gemeinsame Ziel über die eigene Person hinaus —, in Software gegossen.
Die Teams im Portal — vom Reparatur- über das Laden- bis zum Lager-Team, jedes mit klarer Zuständigkeit und einer Handvoll Mitglieder. Wer neu dazukommt, sieht auf einen Blick, wo er hingehört und wofür sein Team steht. Links die «Zusammenarbeit»-Gruppe, in der Aufgaben, Liefergegenstände und Protokolle zusammenlaufen.
Aufgaben. Aufgaben lassen sich zuweisen, mit einer Fälligkeit und Priorität versehen, einem Team zuordnen und abhaken; ein Assistent hilft, aus zwei Sätzen eine saubere Aufgabe zu machen. Das klingt banal und ist es nicht: Eine erledigte, zugewiesene Aufgabe ist ein kleiner, abgeschlossener Beweis von Verlässlichkeit. Viele kleine Beweise ergeben mit der Zeit ein Muster, auf das man sich verlassen kann — die Person selbst zuerst.
Eine neue Aufgabe: Typ, Kategorie, Priorität und Team sind schnell gesetzt — und ein Assistent macht aus einer kurzen Beschreibung eine klare, abhakbare Aufgabe. Kleine Schritte, klar umrissen, sind leichter zu schaffen — und jeder geschaffte zählt.
Entscheidungen und Abstimmungen. Im Bereich Entscheidungen werden Vorschläge diskutiert und dann abgestimmt — mit einem klaren Ablauf vom Entwurf über die Diskussion bis zur Abstimmung, und mit verschiedenen Methoden je nach Frage, vom einfachen Ja/Nein bis zum Konsent, bei dem es nicht um die Mehrheit, sondern um tragfähige Zustimmung geht. Jede Stimme zählt gleich viel. Für jemanden, der sich lange nicht gefragt fühlte, ist eine Stimme, die gleich schwer wiegt wie jede andere, ein starkes Signal: Deine Sicht ist Teil der Entscheidung.
Der Vorschlags-Editor: Jede Entscheidung bekommt einen Typ, der zur Frage passt — von «Klare Frage, bindende Antwort» über Priorisierung und Auswahl bis zur «Genehmigung per Konsent». Der Ablauf vom Entwurf über die Diskussion bis zur Abstimmung ist für alle gleich sichtbar — Mitbestimmung ist hier kein Versprechen, sondern eine Funktion.
Dazu kommen Liefergegenstände und Protokolle — Berichte, Präsentationen und Notizen, die festhalten, was ein Team produziert und bespricht. Und auf der Personal-Seite bildet das Portal den Wiedereinstieg auch formell ab: Es gibt eine eigene Spur für Wiedereinsteigende mit Onboarding-Bausteinen wie einem Wiedereinstiegs-Gespräch und einer zugewiesenen Ansprechperson für die ersten Wochen.
Protokolle halten fest, was besprochen wurde — und eine Review-Ansicht macht daraus konkrete Aufgaben und Entscheidungen, statt sie in Notizen versanden zu lassen. So wird aus «wir haben mal geredet» ein nachvollziehbarer Faden, an dem alle weiterarbeiten können.
Warum Zusammenarbeit auf Augenhöhe wirkt — und wo ihre Grenzen liegen
Diese Bausteine sind nicht willkürlich gewählt. Sie folgen, bewusst oder nicht, dem, was die Arbeits- und Motivationsforschung über gelingende Zusammenarbeit weiss. Ein hilfreiches Gerüst ist die Selbstbestimmungstheorie von Edward Deci und Richard Ryan: Menschen motivieren sich dann selbst — und bleiben dabei gesund —, wenn drei Grundbedürfnisse erfüllt sind: Autonomie (mitentscheiden zu können), Kompetenz (zu sehen, dass man etwas kann und dazulernt) und Zugehörigkeit (Teil eines «Wir» zu sein) (Ryan & Deci, Self-Determination Theory and the Facilitation of Intrinsic Motivation, American Psychologist, 2000). Genau auf diese drei zahlt die Zusammenarbeits-Seite ein — und für den Arbeitskontext ist der Zusammenhang gut belegt: Ein autonomieförderliches Arbeitsklima erzeugt die Art von Motivation, die mit besserer Leistung, mehr Lernen und höherem Wohlbefinden einhergeht (Gagné & Deci, Self-Determination Theory and Work Motivation, Journal of Organizational Behavior, 2005).
Autonomie — mitentscheiden. Dass die Stimme jeder Person gleich viel zählt, ist mehr als eine nette Geste. Der Zürcher Ökonom Bruno Frey hat mit Alois Stutzer gezeigt, dass Menschen einen eigenständigen Wert daraus ziehen, an Entscheidungen teilzuhaben — den «prozeduralen Nutzen» —, und zwar unabhängig davon, wie die Entscheidung ausgeht (Stutzer & Frey, Institutions Matter for Procedural Utility; die genaue Stärke des Effekts ist in der Forschung umstritten, der Wert des Mitmachens selbst ist es nicht). Auch die Mitbestimmungsforschung der deutschen Hans-Böckler-Stiftung verbindet echte Beteiligung mit widerstandsfähigeren Betrieben (Why Codetermination?, IMU / Hans-Böckler-Stiftung). Die verschiedenen Abstimmungsmethoden im Portal — von der einfachen Mehrheit bis zum Konsent — stammen aus dieser Tradition: Der Konsent, bei dem eine Entscheidung steht, sobald niemand mehr einen begründeten Einwand hat, ist der Kern der von Gerard Endenburg entwickelten Soziokratie.
Zugehörigkeit — ein «Wir». Dass Teams im Portal eigene Einheiten mit Namen, Zielen und Kennzahlen sind, ist kein Organigramm-Detail. Die Sozialpsychologie der Gruppen zeigt, dass Leistung und Zusammenhalt auf einer geteilten sozialen Identität beruhen — einem echten Gefühl von «wir», das aus vielen Einzelbeiträgen gemeinsame Anstrengung macht (Haslam & Reicher, Rethinking the Psychology of Leadership, Daedalus, 2016). Für jemanden, der lange aussen stand, ist dieses «Ich gehöre zum Reparatur-Team» oft der erste Faden zurück.
Kompetenz — sichtbarer Fortschritt. Dass das Profil erreichte Dinge festhält und Aufgaben klar und abhakbar sind, trifft einen dritten gut belegten Punkt: Konkrete, angemessen fordernde Ziele mit Rückmeldung führen zu mehr Leistung und Lernen als ein vages «gib dein Bestes» (Locke & Latham, Building a Practically Useful Theory of Goal Setting, American Psychologist, 2002). Eine erledigte Aufgabe ist genau so eine kleine, rückgemeldete Zielerreichung.
Und wo die Grenzen liegen. So gut die Forschung diese Bausteine stützt — sie stützt ebenso deutlich ihre Grenzen, und ehrlich zu sein heisst, sie mitzunennen:
- Software macht keine psychologische Sicherheit. Amy Edmondson hat gezeigt, dass Teams nur dann offen lernen, wenn es sich sicher anfühlt, etwas zu sagen oder einen Fehler zuzugeben (Edmondson, Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams, Administrative Science Quarterly, 1999). Ein Abstimmungswerkzeug lädt zur Beteiligung ein; ob jemand sich traut, sie zu nutzen, entscheidet das menschliche Klima, nicht die Funktion. Gerade bei Menschen im Wiedereinstieg ist das der eigentliche Hebel — und er liegt bei den Kolleginnen und Kollegen, nicht im Code.
- Gleiche Stimmen sind nicht automatisch gleich starke Stimmen. Wer sich lange nicht gefragt fühlte, fühlt sich nicht am ersten Tag berechtigt, gleich mitzustimmen. Die formale Gleichheit der Stimme ist die Voraussetzung, nicht schon das Ergebnis.
- Transparenz kann in Überwachung kippen. Bruno Frey und Margit Osterloh haben beschrieben, wie äusserer Kontrolldruck die innere Motivation verdrängen kann — «motivation crowding» (Osterloh & Frey, Motivation Governance). Antoinette Weibel und Kolleginnen zeigen, dass gerade in sinngetriebenen Organisationen kontrollierende Anreize «versteckte Kosten» tragen (Weibel, Rost & Osterloh, Pay for Performance in the Public Sector — Benefits and (Hidden) Costs, 2010). Ein «Wer macht was»-Board ist ein Geschenk, solange es Orientierung gibt — und ein Risiko in dem Moment, in dem es zur Kontrolle wird. Deshalb gilt hier dieselbe Linie wie bei der Wirkungsmessung: für die Person, nicht über die Person.
- Ziele können sich gegen ihren Zweck wenden. Dieselbe Forschung, die Ziele lobt, warnt auch: Ein hart gesetztes Ziel auf der falschen Kennzahl verführt dazu, die Zahl zu optimieren statt die Sache. Team-Metriken müssen deshalb mit Bedacht gewählt werden.
Diese Grenzen sind kein Widerspruch zum Nutzen der Werkzeuge, sondern seine Bedingung: Sie wirken genau dann, wenn sie eine gute menschliche Zusammenarbeit unterstützen, statt sie ersetzen zu wollen.
Das Profil als Werkzeug für Selbstvertrauen
Der wichtigste dieser Bausteine ist das persönliche Profil — nicht wegen der Technik, sondern wegen der Wirkung. Und hier lohnt sich noch einmal ein Blick in die Forschung.
Der Psychologe Albert Bandura hat gezeigt, dass Selbstwirksamkeit — der Glaube, eine Sache tatsächlich bewältigen zu können — die stärkste Quelle in eigenen Erfolgserlebnissen hat. Nicht Zureden, nicht Beobachten, nicht positives Denken, sondern selbst etwas geschafft zu haben verändert die Überzeugung am nachhaltigsten (Bandura, Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change, Psychological Review, 1977). Genau das leistet ein gepflegtes Profil: Es ist ein Verzeichnis eigener Erfolgserlebnisse. Jedes erfasste Gerät, jedes Inserat, jede abgeschlossene Aufgabe ist ein kleiner, dokumentierter Beweis — und Beweise, die man schwarz auf weiss sieht, wirken stärker als jedes «Sie schaffen das».
Ein Profil, das Fähigkeiten, Interessen und Ziele nebeneinanderstellt, macht drei Dinge auf einmal. Es macht Können sichtbar: was vorher nur ein diffuses «ich kann irgendwie mit Computern» war, wird zu einer konkreten Liste — Hardware-Diagnose, Datenlöschung, Kundengespräch, Erfassung. Es macht Entwicklung sichtbar: die Liste wächst, und Wachstum, das man sieht, glaubt man eher. Und es hält Richtung fest: Interessen und Ziele erinnern daran, dass hier ein Mensch mit Wünschen arbeitet, nicht eine Funktion.
Für den Arbeitsmarkt ist genau das der Rohstoff, an dem es sonst fehlt. Ein gepflegtes Profil ist der Anfang eines Portfolios: eine ehrliche, belegbare Antwort auf die Frage «Was können Sie?». Wer bei uns lernt, Geräte zu prüfen und für den Marktplatz aufzubereiten, lernt nebenbei Dinge, die überall zählen — technische Fehlersuche, sorgfältiges Arbeiten nach Checkliste, Kundenkontakt, Teamabstimmung, ein Gespür für Termine. Das Portal ist der Ort, an dem diese Fähigkeiten nicht verloren gehen, sondern sich anlagern.
Echte Arbeit, die trägt: von der Reparatur bis zur Weitergabe
Die Erfolgserlebnisse, die ein Profil festhält, entstehen nicht im Leeren. Sie entstehen an echten Aufträgen. In der IT-Hilfe etwa treffen Menschen mit einem Reparaturbedarf auf Technikerinnen und Techniker, die helfen können — ein zweiseitiges Netzwerk, in dem sich Angebot und Nachfrage finden.
IT-Hilfe verbindet Reparaturbedarf mit Technikerinnen und Technikern. Wer im Wiedereinstieg mitarbeitet, sammelt hier echte Aufträge — und echte Rückmeldungen von echten Menschen.
Der Unterschied zu einer geschützten Übungssituation ist entscheidend. Ein Kunde, dessen Laptop wieder läuft, bedankt sich nicht für eine Übung, sondern für eine gelöste Sorge. Ein Käufer, der auf dem Marktplatz ein geprüftes Gerät kauft, verlässt sich darauf, dass die Prüfung stimmt. Diese Ernsthaftigkeit ist es, die das Selbstvertrauen trägt: Man wird gebraucht, nicht beschäftigt.
Ein Programm, das «erst platzieren, dann ausbilden» ernst nimmt
Wie man Menschen am besten zurück in Arbeit begleitet, ist erstaunlich gut erforscht. Der wirksamste Ansatz für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt heisst Individual Placement and Support (IPS) — auf Deutsch am ehesten «unterstützte Beschäftigung». Sein Grundprinzip dreht die alte Reihenfolge um: nicht erst lange in geschützten Werkstätten üben und dann irgendwann in echte Arbeit wechseln («train then place»), sondern möglichst früh in echter Arbeit stehen und die Unterstützung dort ansetzen («place then train»).
Die Belege dafür sind deutlich. Eine internationale Metaanalyse von 17 randomisierten kontrollierten Studien fand, dass Menschen mit IPS-Begleitung rund 2,4-mal häufiger eine reguläre Anstellung fanden als Menschen in klassischer beruflicher Rehabilitation (Modini et al., Supported employment for people with severe mental illness, British Journal of Psychiatry, 2016; Überblick beim IPS Employment Center). Dieselbe Analyse ist ehrlich in ihrer Einschränkung: In wirtschaftlich schwachen Zeiten schrumpft der Vorteil, weil auch IPS auf echte, verfügbare Stellen angewiesen ist. Umso wertvoller ist eine Organisation, die selbst laufend echte Arbeit zu vergeben hat.
Für die Schweiz ist diese Wirkung direkt belegt — und zwar hier in Zürich. In einer randomisierten Studie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich mit 250 IV-Rentnerinnen und -Rentnern mit psychischer Erkrankung fanden innert zwei Jahren 32 % der IPS-begleiteten Gruppe eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt — gegenüber nur 12 % in der klassisch betreuten Kontrollgruppe (Viering et al., Supported Employment for the Reintegration of Disability Pensioners with Mental Illnesses, Frontiers in Public Health, 2015). Ein Sechs-Jahres-Follow-up derselben Forschungsgruppe ist dabei bemerkenswert ehrlich: Der anfänglich klare Vorsprung (40 % gegenüber 28 % nach zwei Jahren) gleicht sich über die Jahre an (36 % gegenüber 33 % nach sechs Jahren) (Pichler et al., Long-Term Effects of the Individual Placement and Support Intervention, Frontiers in Psychiatry, 2021). Der Befund ist ein Fingerzeig, den wir ernst nehmen: Ein guter Start allein reicht nicht — die Begleitung muss tragfähig bleiben, damit der Wiedereinstieg hält.
Unser Wiedereinstiegsprogramm ist bewusst in dieser Logik gebaut: echte Aufgaben von Anfang an, ein unterstützendes Team drumherum, individuelle Begleitung und ein Tempo, das sich an der Person orientiert. Damit sind wir eine Sozialfirma im eigentlichen Sinn — und dass dieses Modell trägt, hat auch der Bund festgehalten: Ein Grundlagenbericht im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen, gestützt auf rund 300 Schweizer Sozialfirmen, kommt zum Schluss, dass sie «einen wichtigen Beitrag zur sozialen und beruflichen Integration» arbeitsmarktfern gewordener Menschen leisten (Ferrari et al., Sozialfirmen in der Schweiz, BSV, 2016). Nur verhindert unsere Sozialfirma zusätzlich Elektroschrott.
Das Arbeitsreintegrationsprogramm: Fähigkeitsentwicklung, berufliches Wachstum, ein unterstützendes Umfeld und sinnvolle Arbeit — die vier Versprechen, an denen sich das Programm messen lässt.
Messen, ohne zu vermessen
Eine Organisation, die es ernst meint, braucht Prozesse und muss ihre Wirkung messen. Wir wollen wissen, ob unser Ansatz trägt: Kommen Menschen weiter? Finden sie zurück in Arbeit? Das ist keine Bürokratie, das ist Verantwortung — gegenüber den Menschen, die uns vertrauen, und gegenüber jenen, die unsere Arbeit ermöglichen. Dieselbe Haltung wenden wir auch auf unsere ökologische Wirkung an: Jede Zahl ist offengelegt und hergeleitet, nichts wird behauptet.
Transparenz als Prinzip: Auf der Wirkungs-Seite legen wir Zahlen und Herleitung offen — für die Umwelt wie für die Menschen.
Aber hier liegt die feine Linie, auf die es ankommt. Ein Mensch im Wiedereinstieg darf sich nie vermessen fühlen. Wer das Gefühl hat, überwacht und bewertet zu werden, macht sich klein — genau das Gegenteil dessen, was wir wollen. Zahlen, die über einen Menschen entscheiden, erdrücken; Zahlen, die einem Menschen zeigen, wie weit er schon gekommen ist, richten auf.
Deshalb ist die Haltung wichtiger als das Werkzeug. Das Portal soll Fortschritt für die Person sichtbar machen, nicht über die Person Bericht erstatten. Die «Entwicklung»-Ansicht gehört der Person selbst. Vertraulichkeit ist keine Zusatzfunktion, sondern Voraussetzung. Und jede Kennzahl, die wir bauen, muss die Frage bestehen: Stärkt sie das Selbstvertrauen dieses Menschen — oder bedient sie nur unseren Berichtsbedarf? Empathie und Wirkungsmessung schliessen sich nicht aus. Aber die Reihenfolge ist nicht verhandelbar: zuerst der Mensch, dann die Metrik.
Öffentlich mitfinanziert — also rechenschaftspflichtig
Revamp-IT trägt sich nicht allein aus dem, was Werkstatt und Marktplatz erwirtschaften. Ein Teil unserer Arbeit wird durch das Förderprogramm KlimUp der Stadt Zürich mitgetragen — Zürcher Steuergeld, das die Stadt gezielt für Klimaschutz und intelligente Ressourcennutzung einsetzt. Dieses Geld fliesst nominell für die ökologische Seite unserer Mission — jeder gerettete Laptop ist vermiedener Elektroschrott. Aber öffentliche Mittel verpflichten grundsätzlich: Wer mit Steuergeld arbeitet, schuldet der Öffentlichkeit Transparenz darüber, was daraus entsteht — und zwar über die ganze Mission, nicht nur über den Teil, für den das Geld gedacht ist.
Deshalb nehmen wir uns vor, unsere Wirkung ernsthaft zu messen — die ökologische wie die soziale — und offenzulegen. Nicht, weil eine Vorschrift es verlangt, sondern weil es der ehrliche Umgang mit Vertrauen ist. Die ökologische Seite legen wir auf unserer Kennzahlen-Seite schon heute offen, jede Zahl mit Herleitung. Die soziale Seite — der Wiedereinstieg — ist schwerer zu messen, ohne die Menschen zu vermessen. Aber schwerer heisst nicht unmöglich. Es heisst nur: sorgfältiger.
Zwei Ebenen, die man nie verwechseln darf. Die persönliche Ebene gehört der Person und niemandem sonst. Hier geht es um Wachstum, das für sie sichtbar wird — die wachsende Fähigkeitsliste, erreichte Meilensteine, eine freiwillige Selbsteinschätzung, wie zuversichtlich sie sich fühlt. Diese Zahlen verlassen die «Entwicklung»-Ansicht nicht; sie sind ein Spiegel, keine Akte. Die Programm-Ebene dagegen ist aggregiert und anonymisiert. Hier fragen wir nicht «Wie macht sich Person X?», sondern «Trägt unser Ansatz?» — aus vielen einzelnen Wegen wird eine Kennzahl, in der keine einzelne Person mehr erkennbar ist. Genau diese Zahlen dürfen und sollen nach aussen: an die Fördergeber, an die Öffentlichkeit, an uns selbst. Die Regel dahinter ist einfach: individuelle Daten richten die Person auf, aggregierte Daten richten das Programm aus. Sobald eine individuelle Zahl über einen Menschen entscheidet oder ihn mit anderen vergleicht, haben wir die Linie überschritten.
Was wir konkret messen könnten. Die folgende Auswahl orientiert sich an dem, was die Forschung als aussagekräftig kennt — der Übertritt in Arbeit (das IPS-Ergebnis), die Selbstwirksamkeit (Bandura), der Verbleib über die Zeit — und an dem, was wir erheben können, ohne einen Überwachungsapparat zu bauen:
| Kennzahl (Programm-Ebene, aggregiert) | Was sie zeigt | Woher die Daten kommen |
|---|---|---|
| Menschen im Wiedereinstieg pro Jahr | die Reichweite des Programms | die Personal-Spur im Portal |
| Übertrittsquote in eine Anschlusslösung | ob der Wiedereinstieg gelingt (reguläre Stelle, Ausbildung, Anschlussprogramm) | Abschluss-Erfassung bei Programmende |
| Verbleib nach 6 und 12 Monaten | ob der Übertritt trägt, nicht nur gelingt | freiwillige Nachbefragung |
| Selbstwirksamkeit vorher / nachher | ob Zutrauen wächst — der eigentliche Kern | kurze, freiwillige, validierte Selbsteinschätzung |
| dokumentierte Fähigkeiten pro Person (Durchschnitt) | ob und wie schnell Können wächst | die Profile — fällt als Nebenprodukt an |
Bewusst nicht auf dieser Liste: individuelle «Produktivität», Ranglisten, Tempo-Vergleiche zwischen Menschen. Solche Zahlen mögen einen Bericht füllen, aber sie beschädigen genau das, was wir aufbauen wollen.
Wo das Portal den Unterschied macht. Der wichtigste Punkt ist zugleich ein technischer und ein ethischer: Fast alle diese Kennzahlen sind ein Nebenprodukt der Arbeit, die im Portal ohnehin passiert — kein zusätzlicher Erfassungsaufwand, kein separater Überwachungsapparat. Wenn jemand ein Gerät erfasst, ein Inserat aufschaltet oder eine Aufgabe abhakt, entsteht der Beleg für «echte Arbeit» von selbst. Wächst die Fähigkeitsliste im Profil, entsteht die Wachstumskurve von selbst. Das Portal muss diese Spuren nur anonymisiert zusammenzählen — jede Person zählt einmal, ohne Namen — und daraus wird ein Programm-Dashboard, das neben unsere ökologische Kennzahlen-Seite treten kann. Weil die Daten aus einer einzigen Quelle kommen — dem, was ohnehin schon erfasst ist —, gibt es keine doppelte Buchführung, keine widersprüchlichen Zahlen und keinen Grund, Menschen mit Formularen zu belasten. Nur zwei Dinge müssen bewusst dazukommen, und beide gehören zuerst der Person: die freiwillige Selbsteinschätzung zur Selbstwirksamkeit und die Nachbefragung zum Verbleib. Beides ist optional, beides ist auf der Programm-Ebene anonym, und beides gibt der Person etwas zurück, bevor es irgendjemandem berichtet.
So schliesst sich der Kreis zur Haltung von vorhin: Das Portal misst, indem es sichtbar macht, was die Menschen ohnehin leisten — und übersetzt es erst dann in Rechenschaft, wenn keine einzelne Person mehr erkennbar ist. Die Wirkung grösser zu machen und die Menschen zu schützen ist kein Widerspruch, solange die Messung aus der Arbeit selbst entsteht statt neben ihr.
Ein individuellerer Ansatz — was wir bauen könnten
So gut die heutigen Bausteine wirken: Sie sind Team-Werkzeuge, die für den Wiedereinstieg mitbenutzt werden. Der nächste Schritt wäre, den individuellen Entwicklungsweg zum eigenen, ersten Bürger im Portal zu machen. Ehrlich gesagt: Das ist heute noch nicht gebaut. Aber es liegt nah, und es würde die Arbeit der sozialen Begleitung spürbar leichter und wirksamer machen.
| Heute gebaut | Was wir bauen könnten |
|---|---|
| Fähigkeiten als Schlagwort-Liste | Fähigkeiten mit Niveaustufen und einem Verlauf, der Wachstum über die Zeit zeigt |
| Ziele als Freitextfeld | Ein Entwicklungsplan mit Meilensteinen, die man einzeln erreicht und abhakt |
| Interessen als Liste | Interessen und Wünsche, die zu passenden Aufgaben und Lernschritten vorschlagen |
| Aufgaben abhaken | Aufgaben, die zu einem Lernpfad gehören — vom Einfachen zum Anspruchsvollen |
| Profil als interne Ansicht | Ein exportierbares Portfolio für Bewerbungen, mit belegten Fähigkeiten |
| Buddy manuell zuweisen | Eine ruhige Begleit-Ansicht, in der Fortschritt, Stimmung und nächste Schritte einer Person zusammenlaufen |
Die letzte Zeile ist die wichtigste. Eine begleitende Fachperson jongliert heute vieles im Kopf und in verstreuten Notizen: Wo steht diese Person? Was war der letzte gute Schritt? Was ist der nächste? Ein vertraulicher, geschützter Ort im Portal, an dem sich der Weg einer Person übersichtlich zusammenfügt — Fähigkeiten, erreichte Meilensteine, offene Aufgaben, vereinbarte Ziele — würde diese Arbeit von der Buchhaltung entlasten und den Blick auf das Wesentliche freimachen: den Menschen.
Der «Lernpfad» in der mittleren Zeile hat übrigens ebenfalls einen Rückhalt in der Forschung. Erfolgserlebnisse stärken das Selbstvertrauen am meisten, wenn die Aufgaben gerade richtig schwer sind — machbar, aber nicht geschenkt. Ein Pfad, der vom Einfachen zum Anspruchsvollen führt, hält Menschen genau in dieser Zone, in der aus «hab ich geschafft» echtes Zutrauen wird.
Ein solcher individueller Ansatz würde vor allem das ernst nehmen, was Menschen mitbringen: ihre Interessen, ihre Neigungen, ihre Träume. Nicht jede oder jeder, der bei uns wieder anfängt, will Reparatur-Technikerin werden. Manche entdecken das Erfassen und Beschreiben, manche den Kundenkontakt, manche die Logistik, manche das Unterrichten in einem Workshop. Ein Portal, das diese Richtung festhält und passende nächste Schritte vorschlägt, kann eine Leidenschaft entfachen — und aus «irgendeine Beschäftigung» einen Weg machen, der zur Person gehört. Wege, die zu einem gehören, geht man weiter.
Warum das zur Mission gehört
Es ist derselbe Grundgedanke, der einen funktionierenden Laptop davor bewahrt, im Elektroschrott zu enden: Es ist eine Verschwendung, etwas Wertvolles abzuschreiben, nur weil der Markt gerade nicht hinschaut. Und die Verschwendung bei den Geräten hat ein gewaltiges Ausmass: Laut dem Global E-waste Monitor 2024 der UNO fielen 2022 weltweit 62 Millionen Tonnen Elektroschrott an — fünfmal schneller wachsend als die dokumentierte Wiederverwertung, von der nur 22,3 % erfasst werden. Vieles davon ist nicht kaputt, sondern bloss alt, langsam oder unmodisch.
Die Schweiz sammelt vorbildlich: 2024 verarbeiteten die Rücknahmesysteme Swico und SENS rund 135'200 Tonnen Altgeräte, bei einer vorgeschriebenen Verwertungsquote von mindestens 75 % (Fachbericht 2025 von Swico Recycling und SENS eRecycling). Doch Recycling ist erst die zweitbeste Lösung. Eine Ökobilanz der Empa zeigt, warum: Bei Computern, Laptops und Smartphones steckt der grösste Teil der Umweltbelastung nicht im Betrieb, sondern in der Herstellung — weshalb es ökologisch klar am meisten bringt, ein solches Gerät weiter zu nutzen, statt es einzuschmelzen und ein neues zu bauen (Böni & Hischier, Weiter- und Wiederverwendung von elektrischen und elektronischen Geräten, Empa, 2018). Genau da setzen wir an: Wiederverwenden schlägt Wiederverwerten — bei jedem einzelnen Gerät.
Für Geräte haben wir eine Werkstatt gebaut. Für Menschen bauen wir einen Ort, an dem Beitrag zählt, sichtbar wird und wächst — und ein Portal, das diesen Weg trägt. Der Parallelismus ist kein rhetorischer Trick: In beiden Fällen geht es darum, verborgenen Wert wieder nutzbar zu machen, statt ihn abzuschreiben.
Das Ziel ist nicht nur der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Das Ziel ist, dass ein Mensch etwas findet, das er gerne lernt und gerne tut — und dadurch zu einem nachhaltigen, tragenden Teil seiner Gemeinschaft wird. Genau da schliesst sich der Kreis zu menschen, hardware, knowhow: Wir reparieren nicht nur Geräte, wir helfen Menschen, ihr Knowhow und ihr Selbstvertrauen wieder aufzubauen.
Ein Teil davon steht schon: Profile, Teams, Aufgaben, Abstimmungen, eine eigene Spur für den Wiedereinstieg. Der nächste Teil — der individuelle Entwicklungsweg als erster Bürger, empathisch gedacht und vertraulich gehalten — ist die Arbeit, die vor uns liegt. Wer diesen Weg mitgehen oder ermöglichen möchte, findet unter Mitmachen den Einstieg. Es lohnt sich, weil es genau dort ansetzt, wo die Mission am menschlichsten wird.